*
*
*

PKF hotelexperts

hospitality, tourism & leisure consulting

PKF hotelexperts
aktuelle Informationen für Hotellerie und Tourimus

AHGZ: Boom auf dem Wiener Hotelmarkt

15 Jan 2018

AHGZ, Susanne Stauß

Von wegen Schmäh, Kaffeehausgemütlichkeit und Heurigenweinseligkeit: Der Wiener Hotelmarkt ist wesentlich stärker in Bewegung, als es das Image der österreichischen Metropole vermuten lässt. Neue, hippe Konzepte haben dort ihren Ursprung, weitere Luxushotels sind geplant und um nicht ins Hintertreffen zu geraten, ziehen die bestehenden Häuser nach.

Zahlreiche Newcomer

Ein im Serviced-Apartment-Bereich angesiedelter Newcomer ist die Etagerie, das jüngste Produkt der Urbanouts Hospitality Group, die vor zwei Jahren schon mit den Grätzlhotels (in ehemaligen Ladengeschäfte verteilte Zimmer und Apartments) von sich reden machte. Die Apartments der Etagerie liegen in einem Hochhaus aus dem Jahr 1955 im Quartier Belvedere, zehn werden bereits vermietet, weitere zehn folgen im Februar. Die Apartments von 30 über 45 bis 70 qm sind im Stil der 50er-Jahre eingerichtet und werden ab einer Aufenthaltsdauer von drei Nächten vermietet. Der Preis startet bei 69 Euro pro Nacht, die Wochenmiete für das kleine Apartment bei 419 Euro für zwei Personen. „Aus Investorensicht hat man 2017 endgültig den Eindruck gewonnen, dass Wien heiß ist“, sagt Christian Walter, Geschäftsführer bei PKF Hotelexperts Wien. „Das Interesse reißt nicht ab. Betreiber suchen intensiv nach Möglichkeiten, in der Stadt Fuß zu fassen, darunter auch viele White Label-Betreiber aus Deutschland.“

Zu den sehenswerten neuen Hotels zählt Walter die Kombination aus Novotel und Ibis am Wiener Hauptbahnhof, wo es ihm vor allem die Tagungsräume des Novotel angetan haben. „Das Haus ist ein echter Quantensprung, Accorhotels hat sich beim Design richtig ins Zeug gelegt“, sagt er. Unter den acht Meeting Räumen sind drei besonders flexible, sogenannte „Inspired Meeting Rooms“, die sich an den Themen Wasser, Urbanität und Natur orientieren und sich für neue Tagungsformate anbieten, beispielsweise durch Sofas und Sitzhocker mit Missoni-Mustern. „Das Tagen muss sich ändern und Accorhotels ist sehr früh mit dabei.“ Insgesamt sei der Hauptbahnhof der neue Hotspot. Dort entsteht bis 2019 auch das Andaz Am Belvedere Vienna, ein Projekt von Hyatt und Signa Real Estate mit 303 Zimmern. Angekündigt hat sich ebenfalls Prizeotel für 2022. Seine Pforten geöffnet hat im vergangenen Jahr auch das Ruby Lissi im 1. Bezirk. „Diese Marke ist angekommen. Sie beweist, dass man heute keine Rezeption im Erdgeschoss mehr braucht. Die Flächen sind wichtiger für Retail und Gastronomie“, so Walter.

Vieles sei in Wien in der Pipeline – auch im Luxusbereich. Bis 2021 soll in bester Lage im ehemaligen Stammhaus der Erste Bank ein 99-Zimmer-Rosewood-Hotel entstehen. Außerdem wurde 2013 das berühmte Art-Deco-Gebäude Otto Wagner Postsparkasse an die Signa Holding verkauft, dies könnte nach 2018 ebenfalls zum Luxushotel umgebaut werden.

Damit die neuen Luxuskollegen dem Platzhirsch nicht die Butter vom Brot nehmen, durchläuft das Hotel Sacher derzeit ein groß anberaumtes Erneuerungsprogramm inklusive aller Zimmer und Suiten. „Das Sacher Eck wurde über zwei Etagen großartig umgebaut. Matthias Winkler, der Schwiegersohn von Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler, schlägt ganz neue Wege ein“, schwärmt Walter. „Das Sacher erfindet sich neu, dazu gehört auch die Hotelfachschule Sacher School of Excellence.“ Alle 14 Jahre, so Winkler in einem ORF-Beitrag, wolle er künftig die Zimmer von Grund auf erneuern.

Hybride Konzepte im Aufwind
Neben der Etagerie entstehen weitere hybride Konzepte, darunter das The Student Hotel, eine Mischung aus Studentenwohnheim und Hotel, das 2020 mit 822 Einheiten an den Start gehen soll. Eröffnet haben 2017 bereits 633 studentische Wohnungen unter dem Namen FIZZ, entwickelt von Stonehill und Pegasus Capital Partner und bereits verkauft an die International Campus AG aus München. Adina ist in Wien vertreten, weitere Aparthotel-Marken werden erwartet. Der deutsche Projektentwickler GBI hat inzwischen ein Büro in Wien und entwickelt am Hauptbahnhof seine Smartments, Investoren wie ArtInvest oder CommerzReal beschäftigen sich intensiv mit dem Markt.

„Der Anlage- und Entwicklungsdruck ist groß“, weiß Walter. „Exit Deals außerhalb des Luxusbereichs bringen heute 4 Prozent. Wien ist die zweitgrößte deutschsprachige Stadt und hat seit 20 Jahren positive Zuwächse beim Übernachtungsaufkommen, abgesehen von 2009.“ Hinzu komme, dass Wien sich in jüngerer Zeit sehr erfolgreich vermarkte und neue Märkte erschließe, wie in Fernost, Indien, Lateinamerika, aber auch Afrika. Bis 2020 soll die Marke von 20 Mio. Übernachtungen geknackt werden.

Nach Informationen der Prodinger Tourismusberatung aus Österreich wurden in den ersten acht Monaten des Jahres 2017 in Wien vier Prozent mehr Übernachtungen gezählt als im Vergleichszeitraum 2016. Was die Immobilienrenditen anbelangt, so attestierte Prodinger Wien zwar mit 3,75 Prozent einen Vorteil gegenüber München mit 3,3 Prozent, wesentlich attraktiver seien diesbezüglich jedoch Bukarest, Budapest oder Bratislava.

 


kontaktieren Sie uns

bitte nutzen Sie dieses Kontaktformular um mit uns in Kontakt zu treten

* *
*